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Ob als Spieler oder Trainer. Ob auf nationalem oder internationalem Parkett. Heiner Brand hat auf der Bühne des Handballsports praktisch alles gewonnen, was es zu gewinnen gibt. Was ihm noch fehlt? Olympisches Gold! Daran arbeitet der 57-Jährige Trainer Deutschlands. Mit einem neu formiertem Team. Und mit großem Enthusiasmus. Olympisches Gold ist aber nicht die einzige Triebfeder, die den zweifachen Vater und vierfachen Großvater immer wieder motiviert. Das Idol des deutschen Handballsports hat nämlich ein weiteres großes Ziel: er will Deutschlands Nationalteam wieder zur Großmacht des Handballsports formen. Dafür hetzt er von Termin zu Termin. Dafür spult er jährlich 70.000 Kilometer herunter; sucht und sichtet Talente. Und kämpft für die Nachwuchshoffnungen. Im Visier dabei kurzsichtige Bundesliga-Funktionäre, die seiner Meinung nach zuwenig heimische Talente in Meisterschaftsspielen einsetzen. Das sei ein Grund, dass Deutschland nicht mehr zu den Top-Nationen der hinter Fußball zweitbeliebtesten Sportart Europas zählt. Und das stellt dem Mitglieder- und Vereinsstärksten Verband der Welt kein gutes Zeugnis aus. Bei einem Pressegespräch im Vorfeld der Europameisterschaft stand Heiner Brand Pressechef Robert Ullmann Rede und Antwort. Wie war der sportliche Werdegang Heiner Brands? Brand: Ich begann als jüngster von drei Brüdern mit sieben Jahren beim VfL Gummersbach mit dem Handballsport. Dort wurde ich sechsmal Deutscher Meister, viermal Pokalsieger, viermal Europacupsieger, zweimal Supercup-Gewinner und IHF-Pokalsieger. Auf welcher Position spielten Sie? Brand: Im Abwehrzentrum, deshalb eilte mir der Ruf des Abwehrstrategen jahrelang voraus. Ich war aber auch im Angriff erfolgreich und machte Platz für meine Nebenspieler. Hatten Sie als Spieler schwere Verletzungen? Brand: Zum Glück wenig. Ich wurde erst mit 56 Jahren an der Hüfte operiert. Haben sie als Handballer so gut verdient, dass Sie ausgesorgt haben? Brand: Ich habe nicht ausgesorgt, sondern vorgesorgt. Wenn ich an meine aktive Zeit zurückdenke muss ich sagen, dass ich hinterher betrachtet bei Gagen-Verhandlungen viel zu gutmütig war. Das war aber verständlich, weil ich in Großwallstadt großgeworden bin. Welche berufliche Ausbildung absolvierten Sie? Brand: Nach dem Abitur, studierte ich Betriebswirtschaft und schloss das Studium als Dipl.-Kaufmann ab. Dann gründetet ich eine Versicherungsfirma, die heute mein Sohn Markus führt. Sie waren nach Ihrer Karriere Vereinstrainer und sind seit 1997 Nationalteamtrainer. Was ist schwieriger? Brand: Das ist schwer vergleichbar. Als Teamtrainer kann ich nicht täglich trainieren, muss aber in kurzer Zeit ein Team formen, das Erfolg haben soll. Als Vereinstrainer bin ich jeden Tag in der Halle und habe deshalb mehr Zeit. Als Vereinstrainer ist man für sein Team selbst zuständig, als Teamtrainer muss man sich auf Aussagen anderer Trainerkollegen verlassen können. |
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Wie viele Stunden stehen Sie am Spielfeldrand? Brand: Ich bin jährlich 70 Tage mit dem Nationalteam zusammen. Nebenbei bin ich aber viel unterwegs, fahre jährlich bis zu 70.000 km zu PR-Terminen, Treffen mit Trainern und Presseleuten. Haben sie Hobbys, oder besser: haben Sie noch Zeit für Ihre Hobbys? Brand: Ich gehe Skilaufen. Fahre dabei mit einer Männerrunde nach Tirol ins Stubaital. Außerdem spiele ich gerne Golf und wenn es die Zeit erlaubt lese ich spannende Geschichten. Wie gehen Sie mit dem Stress um? Brand: Voraussetzung zur Stress-Bewältigung ist körperliche Fitness. Deshalb gehe ich ins Fitness-Studio, trainiere Ausdauer und Kraft. Wenn es ganz arg wird suche ich einen ruhigen Platz oder ich spreche in lockerer Runde von einem anderen Thema als Handball. Was sind Ihre Stärken? Brand: Ich verstehe viel von der Sportart Handball. Außerdem habe ich einen guten Umgang mit Menschen und bleibe authentisch. Kommen wir zum Nationalteam. Sie sagten, man darf von dieser Mannschaft keine Wunder erwarten. Wäre der Einzug ins EM-Halbfinale ein Wunder? Brand: Mal langsam. So weit voraus denke ich noch nicht. Aber wir können durchaus die Vorschlussrunde erreichen, andererseits aber auch schon in der Vorrunde ausscheiden. Was streben Sie realistisch an? Brand: Durch den Sieg im Supercup haben wir viel Selbstvertrauen gewonnen. In dieser Form können wir gegen viele Spitzenteams bestehen. Grundsätzlich plane ich aber von Spiel zu Spiel. Was muss man ändern, damit Deutschland wieder eine Großmacht wird? Brand: Wir sind der größte Verband mit den meisten Mitgliedern. Unsere Talente kommen aber in der Bundesliga, der härtesten Liga der Welt, nicht oft genug zum Einsatz. Das muss sich ändern. Außerdem muss die Jugendarbeit in den Vereinen forciert werden. Ist Ihre Familie bei Großereignissen dabei? Brand: Grundsätzlich nicht. Aber beim WM-Finale 2007 zum Beispiel war die ganze Familie in der Köln-Arena dabei. Apropos Familie: Sie sind inzwischen Großvater von vier Enkelkindern. Welches Gefühl haben Sie dabei? Brand: Ein herrliches Gefühl. Man kann die Kinder nämlich immer wieder an die Eltern abgeben. Unlängst sagte meine Frau, dass die Betreuung schon sehr anstrengend ist. Steckbrief Heiner Brand Geb.: 26. Juli 1952 in Gummersbach. Verheiratet: mit Christl seit 34 Jahren. Wohnort: Gummersbach. Kinder: Markus (33) und Julia (28). Enkel: Ein Bub (9) und vier Mädchen (7,3,1). Brüder: Klaus (68) und Jochen (65). Ausbildung: Dipl.-Kaufmann. Beruf: Unternehmer und Trainer. Hobby: Skifahren und Golf. Ziel: Olympisches Gold. Erfolge als Spieler Weltmeister 1978; Olympiavierter 1976; sechsfacher Deutscher Meister; vierfacher Pokalsieger Deutschlands; Gewinner des Supercups; Europapokalsieger der Landesmeister Erfolge als Trainer: Weltmeister 2007; Europameister 2004; Olympiazweiter 2004; Vize-Weltmeister 2003; Vize-Europameister 2002; sechsfacher Trainer des Jahres; dreifacher Deutscher Meister; zweifacher Pokalsieger. |







